Brustkrebsrisiko bei Frauen mit Schizophrenie: Auf was Sie achten müssen

Was schon seit geraumer Zeit vermutet wurde, konnte nun eindrucksvoll bestätigt werden: Es besteht tatsächlich ein Zusammenhang zwischen dem Einsatz vieler Antipsychotika und einem erhöhten Brustkrebsrisiko bei Frauen mit Schizophrenie. Dies geht aus aktuellen Daten einer großen Fall-Kontroll-Studie aus Finnland hervor.1 Demnach ist bei Frauen mit Schizophrenie, die Prolaktin-steigernde Antipsychotika einnehmen, das Brustkrebsrisiko um mehr als 50 % erhöht. Die AutorInnen empfehlen daher, dass Frauen mit Schizophrenie, die antipsychotisch behandelt werden, intensiver auf Brustkrebs kontrolliert werden sollten. Zudem sollten bereits frühzeitig Antipsychotika mit einem vergleichsweise geringen Risiko für eine Hyperprolaktinämie eingesetzt werden.

Brustkrebs tritt bei Frauen, die an Schizophrenie erkrankt sind, häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung.1-3 Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem Adipositas, Rauchen und Diabetes – Faktoren, die unter Schizophrenieerkrankten häufiger anzutreffen sind.1 Zudem können bestimmte Antipsychotika das Risiko für Brustkrebs erhöhen, indem sie unter anderem eine Hyperprolaktinämie begünstigen.1 Die Prolaktinsynthese wird durch das Dopaminsystem reguliert. Die Blockierung von D2-Rezeptoren durch Antipsychotika in der tuberoinfundibulären Nervenbahn kann dabei eine stärkere Freisetzung von Prolaktin in Gang setzen.4 

In der finnischen Fall-Kontroll-Studie zeigte sich dabei unter Berücksichtigung von Begleiterkrankungen, Begleitmedikamenten und anderen Risikofaktoren für Brustkrebs, dass Frauen mit Prolaktin-steigernden Antipsychotika nach 5 oder mehr Jahren ein um 56 % höheres Risiko für Brustkrebs aufwiesen (das Risiko für lobuläre Adenokarzinome war sogar um 136 % erhöht). Bei einigen anderen Antipsychotika, darunter Aripiprazol, Clozapin und Quetiapin, konnte dagegen kein Zusammenhang zwischen der Anwendungsdauer und dem Risiko für Brustkrebs festgestellt werden.1 Es könnte daher sinnvoll sein, bei der medikamentösen Therapie von Frauen mit Schizophrenie Antipsychotika anzuwenden, die die Prolaktinwerte nicht oder nur geringfügig erhöhen – am besten so früh wie möglich.

Referenzen

1. Taipale H et al. Antipsychotic use and risk of breast cancer in women with schizophrenia: a nationwide nested case-control study in Finland. Lancet Psychiatry. 2021;8:883-891.

2. Catalá-López F et al. Inverse and direct cancer comorbidity in people with central nervous system disorders: a meta-analysis of cancer incidence in 577,013 participants of 50 observational studies. Psychother Psychosom. 2014;83:89-105.

3. Pettersson D et al. The overall and sex- and age-group specific incidence rates of cancer in people with schizophrenia: a population-based cohort study. Epidemiol Psychiatr Sci. 2020;29:e132.

4. Peuskens J et al. The effects of novel and newly approved antipsychotics on serum prolactin levels: a comprehensive review. CNS Drugs. 2014;28:421-453.